Irgendwann im Laufe Ihres Sammlerlebens werden Sie versuchen, jemandem, der nicht danach gefragt hat, den Unterschied zwischen geripptem und gewebtem Papier zu erklären. Dieser Artikel ist für diesen Moment.
Papiertypen
Das Feld Papiertyp in Shelvd zeichnet auf, worauf der Textblock gedruckt wird. Dies ist wichtig, da Papier das Aussehen, die Haptik, das Gewicht, die Alterungseigenschaften und den Wert eines Buches beeinflusst.
Büttenpapier: Hergestellt auf einer Form mit parallelen Drahtlinien, die sichtbar sind, wenn man sie ans Licht hält. Standard von der Erfindung des Buchdrucks bis zum späten 18. Jahrhundert. Die Kettenlinien und gelegten Linien sind sein Fingerabdruck.
Gewebtes Papier: Hergestellt auf einem gewebten Drahtgeflecht – keine sichtbaren Linien. In den 1750er Jahren erfunden und ab dem 19. Jahrhundert vorherrschend. Glatter, gleichmäßiger.
Handgeschöpftes Papier: Jedes Blatt wird einzeln in einer Form geformt. Unregelmäßige Kanten (Büttenränder), sichtbare Kettenlinien, teilweise mit Wasserzeichen. Geschätzt für hochwertige Drucke und limitierte Auflagen.
Maschinengefertigtes Papier: Der Industriestandard. Gleichmäßig, effizient und – wenn es nach 1850 aus Zellstoff hergestellt wurde – langsam selbstzerstörend durch Säureverfall.
Indienpapier: Ein extrem dünnes, undurchsichtiges Papier, das für Bibeln, Wörterbücher und Luxusausgaben verwendet wird. Ermöglicht das Binden dicker Texte in überschaubaren Mengen.
Pergamentpapier: Kein echtes Pergament (bei dem es sich um Tierhaut handelt), sondern ein glattes, schweres Papier, das dessen Aussehen nachahmt. Wird für Sondereditionen verwendet.
Bibelpapier: Ähnlich wie Indienpapier – dünn, leicht, leicht durchscheinend. Benannt nach seiner berühmtesten Anwendung.
Reispapier: Technisch gesehen überhaupt kein Papier, sondern ein Markmaterial aus der Reispapierpflanze. Wird im asiatischen Druck und gelegentlich in der europäischen Feinpresse verwendet.
Kantenbehandlungen
Das Feld Kantenbehandlung beschreibt, wie die drei freiliegenden Kanten des Textblocks (Kopf, Ende, Vorderkante) bearbeitet werden:
Vergoldete Kanten (z.B.): Alle Kanten mit Blattgold bedeckt. Schützend und dekorativ. Häufig in schönen Einbänden und Gebetbüchern. Die Abkürzung steht für „All Edges Gold“.
Oberkante vergoldet (z. B.): Nur die Oberkante ist vergoldet – eine beliebte viktorianische Behandlung, die verhindert, dass sich Staub zwischen den Seiten festsetzt.
Marmorierte Kanten: Kanten werden in eine Marmormulde getaucht, wodurch wirbelnde Farbmuster entstehen. Oft passend zu den marmorierten Vorsatzblättern und Tafeln.
Gesprenkelte Kanten: Mit farbiger Tinte bespritzte Kanten. Eine schnelle und günstige Alternative zum Vergolden oder Marmorieren.
Gaufferte Kanten: Vergoldete Kanten mit eingeprägten oder bearbeiteten dekorativen Mustern. Ein im 16. bis 18. Jahrhundert beliebter Angebertrick.
Gefleckte Kanten: Mit einem einzigen Farbstoff gefärbte Kanten – Rot, Blau, Gelb. In Handelsbindungen üblich.
Büttenkanten (unbeschnitten): Die natürlichen, ausgefransten Kanten, die durch die Papierherstellungsform entstehen. In einigen Ausgaben als Zeichen der Qualität oder Handwerkskunst bewusst beibehalten.
Grob geschnitten/ungeöffnet: Seiten nicht durch ein Papiermesser getrennt. Ein ungeöffnetes Buch ist eines, dessen Seiten nie auseinandergeschnitten wurden – je nach Sichtweise ein Sammlerpreis oder ein Vorwurf des Analphabetismus.
Vorsatzblätter
Das Feld Vorsatzblätter erfasst die Blätter, die den Textblock mit den Tafeln verbinden:
- Einfarbig – unverziert, normalerweise weiß oder cremefarben
- Marmoriert – handmarmoriertes Papier, oft passend zu den Kanten
- Dekoriert – gedruckte Muster, Karten, Illustrationen
- Klebepapier – handverziert mit farbigen Kleistermustern
- Freies Vorsatzblatt – das Blatt, das sich frei drehen lässt (im Gegensatz zum Beiblatt, das auf die Tafel geklebt wird)
Auf Vorsatzblättern finden sich oft die interessantesten Eigentumsnachweise: Exlibris, Inschriften, Stempel, von Händlern eingetragene Preise. Sie sind das Tagebuch des Buches.
Textblock
Das Feld Textblock beschreibt den strukturellen Zustand, wie die Seiten zusammengehalten werden: fest, fest, geschüttelt, locker, gebrochen, repariert. Hier geht es um Technik, nicht um Ästhetik – ein enger Textblock ist ein Block, bei dem die Nähte fest sitzen und die Seiten nicht verrutschen.
📖 Im Blog zu finden: Paper: A Material History, Why Old Books Smell